Vereinschronik

...des Bezirksbienenzüchtervereins Murrhardt e.V.

 

Die Geschichte des Bezirksbienenzüchtervereins Murrhardt beginnt im Jahre 1927 durch eine Abspaltung vom Backnanger Verein. Erster Vorsitzender war der seinerzeit in Hinterbüchelberg tätige Lehrer Wilhelm Feile. Klar erkannt wurde, dass die Leistung der Bienenvölker und somit der Honigertrag wesentlich von der Qualität der Königinnen abhängt. Auf die Königinnenzucht wurde damals ein besonderer Schwerpunkt gelegt. Davon zeugen mehrere entsprechende Abhandlungen, die Vorsitzender Feile in der „Bienenpflege“ veröffentlicht hat.

Ab 1929 lenkte Wilhelm Oppenländer die Geschicke des Vereins und hat als Vorstand diese Aktivität fortgesetzt. Die Machtübernahme durch das Dritte Reich hatte einen zentralistischen Aufbau der Bienenzuchtvereine zur Folge. Unser Bienenzuchtverein „Oberer Murrgau“ erhielt den Namen Ortsfachgruppe Imker Murrhardt. Von langer Hand vorbereitet, entstand für die Ortsfachgruppen Backnang und Murrhardt eine im Eigentum der Reichsfachgruppe stehende Belegstelle bei Liemersbach. Vorstand Oppenländer taufte die Belegstelle auf den Namen Adlerhorst. Die Kriegsjahre brachten einschneidende Maßnahmen auch für die Imker. Um den Honigbedarf der Deutschen ohne Einfuhren zu decken, wurde eine verstärkte Zuwanderung der Waldgebiete angeordnet. Jede Ortsfachgruppe musste in ihrem Gebiet mehrere Wanderplätze aufweisen. Im Wege des freiwilligen Zwangs waren von jedem Imker pro Volk 2 kg Honig an die Wehrmacht abzuliefern. Selbst das Wachs wurde teilweise beschlagnahmt. Trotz alldem schickten die Murrhardter Imker darüber hinaus ihren zum Heeresdienst einberufenen Kameraden sogenannte Liebesgabenpakete, bestehend aus einer Flasche Branntwein, Tabakwaren und einem Gedicht des Vorsitzenden Oppenländer und betreuten außerdem noch deren Bienenvölker. Aus gesundheitlichen Gründen musste Vorstand Oppenländer sein Amt Ende 1940 abgeben. Als Nachfolger wurde Otto Schneider vorgeschlagen. Dieser war der NSDAP jedoch nicht genehm. Daraufhin wählten die Mitglieder im März 1941 Emil Maier aus Murrhardt zum neuen Vorsitzenden. Die letzte Versammlung während des Krieges fand im April 1943 statt.

Foto: Bienenstand von Wilhelm Oppenländer in der Pfaffenklinge

Erst im Mai 1946 durfte mit Genehmigung der Militärregierung wieder eine Hauptversammlung abgehalten werden. Unser Verein, der seither die Bezeichnung Bezirksbienenzüchterverein Murrhardt trägt, erreichte in dieser Zeit die höchste Zahl von 252 Mitgliedern, obwohl von den im Herbst 1944 gezählten 2256 Völkern rund die Hälfte eingegangen waren. Der Grund ist wohl darin zu suchen, dass für die Winterfütterung 1945 kein Bienenzucker erhältlich war. Das Amt des Vorsitzenden übernahm seinerzeit August Sträb aus Murrhardt. Nun begann sich das Vereinsleben wieder zu normalisieren.

1952 feierte der Verein sein 25jähriges bestehen. Nach vorübergehender Führung der Geschäfte des Vorstandes durch Karl Schüler und Albert Wein wurde dieses Amt ab 1956 wieder von August Sträb bekleidet. Nach dessen Tod im Jahre 1963 wurde Ernst Rittberger an die Spitze des Vereins gewählt. Die Belegstelle Eschelhof war für Herrn Rittberger ein liebes Kind, für das er sich im Interesse der Bienenzucht mit viel Idealismus eingesetzt hat. Sein persönliches Engagement auf dem Gebiet der Bienenzucht hat seinen Niederschlag in der Wahl zum Vorsitzenden des Wahlkreises III sowie in der Verleihung der goldenen Ehrennadel durch den Landesvorsitzenden gefunden.

Foto: Belegstelle im Eschelhof

1977 wurde das erste halbe Jahrhundert des Bezirksbienenzüchtervereins Murrhardt beendet. In den folgenden Jahren hat der Landesverband sein 100jähriges Jubiläum, was auch durch unseren Verein wahrgenommen wurde, aber relativ unerwartet taucht auch ein äußerst gefährlicher Feind der Bienen auf: Die Varroa-Milbe. Allmählich beginnt der Großkampf gegen die Varroatose, der bis heute anhält. 1981 findet eine Fahrt in den Schwarzwald ins Münstertal zum Pfefferle, dem allseits bekannten Imkermeister Museumsinitiator und Lehrer  der modernen Imkerei mit dem Magazin statt. Auch dadurch stellten sich die Bienenväter unseres Vereins langsam von der Hinter-Behandlungsbeute auf das Magazin um. Im Jahre 1984 geht eine Ära zu Ende: Der langjährige verdienstvolle Vorsitzende Ernst Rittberger geht quasi in Funktionärspension. Viele Jahre hat Herr Rittberger den Verein geleitet, viel hat er zum Gelingen der Veranstaltungen beigetragen und viel zum Wohle der Imkerei getan. Er wurde Ehrenvorsitzender und hat bis ins hohe Alter geimkert und verstarb 1996 mit 92 Jahren. Je vier Jahre leiteten von 1984 Rudolf  Kirn und von 1988 Erich Lenz die Geschicke des Vereins. Umweltverschmutzung, Giftspritzungen, Waldsterben und Varroatose begleiten diese Jahre und erschweren auch in Murrhardt das Imkern. Ein Höhepunkt ist im Jahr 1991 der Königinnenzuchtkurs mit Hans Lang. Dieser zeigte seinen Imkerkollegen in Theorie und Praxis (in Eichenkirnberg) in gekonnter Manier, wie Weiseln gemacht werden.

1992 folgt ein erneuter Wechsel an der Spitze des Vereines: Dr. Jürgen Kursawe wird Vorsitzender. Es wird unter anderem beschloßen einen sogenannten „Imkertreff“ durchzuführen. Diese Veranstaltung entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einem echten imkerlichen Renner für ganz Murrhardt und Umgebung. Was dort an imkerlicher Praxis, Naturschönheiten, kulinarischen Höhepunkten, historischer und moderner Imkerei und Geselligkeit seither geboten wird, sucht seinesgleichen. Gleichzeitig versucht die neue Vereinsleitung durch gezielte theoretische und praktische Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten das Niveau der Murrhardter Imker zu heben um auch dadurch die Varroa in den Griff zu bekommen. Bei unseren Versammlungen waren die Referenten Liebig, Wallner, Aumeier, Rosenkranz, Horn, Vorwohl, Lampeitl, Gierke, Reusch, Obermüller, Benzin, Gerlich, Köger, Garrido, Frank, Gekeler und viele weitere. Es wurden immer wieder abwechslungs- und aufschlussreiche Exkursionen durchgeführt. Unter anderem in die Met-Brauerei Schmitt nach Zeutern, zur Fa. Graze nach Endersbach, in die Remstalkellerei in Beutelsbach oder auch ins Allgäu zum Imkermeister Merk. 1995 ist es soweit, es passiert das, worauf jeder Imker wartet, es wird ein Jahrhunderthonigjahr und der Waldhonig fließt in Strömen. Im Jahre 1998 wird der Traum des Vorsitzenden vom Lehrbienenstand in der Fliesenklinge Wirklichkeit. In Eigeninitiative bauten vor allem die Vorstandsmitglieder unter der Regie von Peter Meyer und auch gesponsert durch die Stadt Murrhardt ein schmuckes Häuschen. Hier fand bereits manche Hocketse statt, und viele holten sich hier Rat oder erhielten sogar eine imkerliche Ausbildung.

Im Jahr 2012 schauen wir bereits auf eine 85-jährige Vereinsgeschichte zurück und zugleich mit Freude und Zuversicht der Zukunft und den einhergehenden Aufgaben und Herausforderungen für unseren Verein und der Imkerei entgegen.

 gekürzte Fassung nach Helmut Rau und Dr. Jürgen Kursawe

Die Vorsitzenden des Vereins seit 1927:

1927 – 1929     Wilhelm Feile

1929 – 1941     Wilhelm Oppenländer

1941 – 1945     Emil Maier

1945 – 1952     August Sträb

1952 – 1956     Karl Schüler und Albert Wein

1956 – 1963     August Sträb

1963 – 1984     Ernst Rittberger

1984 – 1988     Rudolf Kirn

1988 – 1992     Erich Lenz

1992 – 2004     Dr. Jürgen Kursawe

2004 – 2012     Erich Lenz

seit 2012          Rudolf Hoffmann

Abbildung: Mitglieder und Völkerzahlen 1927 - 2002

Im Jahr 2018 Baubegin der Wanderhütte ....